Waldorf FAQ

Besondere Kinder

Welche Kinder werden an der Waldorfschule aufgenommen?

Waldorfschulen stehen grundsätzlich allen Kindern offen – unabhängig von Religion, Hautfarbe, Geschlecht und Einkommen der Eltern. Nach ausführlichen Informations-Elternabenden findet für jedes Kind ein Aufnahmegespräch an der Schule statt. Ältere Schülerinnen und Schüler können auch als Quereinsteiger in höhere Klassen aufgenommen werden.

Welche Voraussetzungen muss man für die Aufnahme eines Kindes erfüllen?

Im Grunde nur diese: Die Eltern wollen die Waldorfschule für ihr Kind, weil sie gerade diese Pädagogik befürworten. Und: Das Kind kann von seinem Verhalten und seiner Entwicklung her normal beschult werden.

Muss ein Kind musisch oder künstlerisch begabt sein, damit es für die Waldorfschule geeignet ist?

Nein. Die Tatsache, dass an der Waldorfschule deutlich mehr musischer, künstlerischer und handwerklicher Unterricht gegeben wird als an staatlichen Schulen, hat allein etwas damit zu tun, dass diese Tätigkeiten auch das intellektuelle Lernen spürbar unterstützen und dass sie einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der ganzen Persönlichkeit leisten. Wenn Waldorfschüler z. b. malen, handarbeiten, zeichnen, plastizieren, bildhauen, Metall treiben oder mit Holz arbeiten, wenn sie musizieren oder Eurythmie betreiben, dann geht es nicht nur um das Ergebnis,  sondern vor allem um die Erfahrungen, die während dieser Prozesse gemacht werden.

So ist nicht nur nachgewiesen, dass z.B. Musik und Mathematik sich gegenseitig stark stützen, sondern im künstlerisch-handwerklichen Arbeitsprozess werden wichtige Fähigkeiten gefördert wie Konzentration, Durchhaltevermögen, Verantwortlichkeit, aber auch Einfühlungsvermögen, Teamfähigkeit und natürlich Kreativität – Fähigkeiten, die gerade in der modernen Arbeitswelt immer wichtiger werden.

Auch wenn es pädagogisch vor allem auf den Prozess ankommt, so wird doch Leistung und Anstrengung in diesen Fächern verlangt. Die Anforderungen an die entstehenden Produkte sind individuell hoch, sonst würde die Arbeit pädagogisch wirkungslos bleiben.

Kein Leistungsdruck?

Stimmt es, dass es an der Waldorfschule keine Noten und kein Sitzenbleiben gibt? Sind die Kinder dann überhaupt zum Lernen motiviert?

Leistungen sollen nicht erbracht werden, weil schlechte Noten oder gar Sitzenbleiben drohen, sondern aus Freude am Lernen und Entdecken. Die Waldorfschule stimmt ihren Unterricht stets auf die jeweilige Entwicklungsphase der Schülerinnen und Schüler ab, was dazu führt, dass immer der Unterrichtsstoff angeboten wird, der auf ein gewisses “natürliches” Interesse stößt. Außerdem bemühen sich WaldorflehrerInnen besonders darum, ihren Unterricht bildhaft und lebensnah zu gestalten. So sollen die Kinder und Jugendlichen nicht aufgrund eines inhaltsfremden Leistungsdrucks, sondern aus einer gesunden Motivation heraus lernen.

Die Waldorfschulen nennen sich „freie Schulen“. Heißt das, dass die Kinder dort antiautoritär erzogen werden?

Wer das glaubt, der wäre an der Waldorfschule ganz und gar falsch. Vor allem die Klassenlehrerin/ der Klassenlehrer baut vom ersten Schultag an ein von liebevoller Autorität geprägtes Verhältnis zu seinen/ihren SchülerInnen auf. Und diese persönliche Autorität wird in den folgenden Jahren noch vertieft, ehe in der beginnenden Pubertät dann der notwendige Ablöseprozess beginnt.

In der Oberstufe tritt an die Stelle der liebevoll-persönlichen Autorität des Klassenlehrers die fachliche Autorität der Fachlehrer. Wobei es dann durchaus auch darum geht, in den letzten Jahren der Schulzeit zu einem zunehmend gleichberechtigten, eben erwachsenen Verhältnis zueinander zu finden.

Auch die Waldorfpädagogik geht davon aus, dass Kinder und Jugendliche ihre Grenzen suchen. Und wenn sie diese Grenzen von den Erwachsenen erfahren, fühlen sie sich einerseits sicher und erleben sich andererseits als eigene Persönlichkeit.

Ist die Waldorfpädagogik nicht so etwas wie das Vorgaukeln einer heilen Welt? Kommen die Schüler später überhaupt mit der harten Realität zurecht?

Die Praxis zeigt, dass gerade Waldorfschüler von Ausbildern und Arbeitgebern geschätzt werden. In einer Schule, die nicht nur die intellektuellen Fähigkeiten anspricht, können sich Schlüsselqualitäten wie Teamfähigkeit, Kreativität und die Fähigkeit, prozessual zu denken, vom ersten Schultag an entwickeln. Waldorfschülerinnen und -schüler studieren und arbeiten erfolgreich in allen Studien- und Berufsfeldern. (Link – Absolventenstudie)

Epochenunterricht und Klassenlehrerzeit

Was ist unter Epochenunterricht zu verstehen?

In zwei Stunden eines Schulvormittags – im sogenannten Hauptunterricht – behandeln WaldorflehrerInnen ein Stoffgebiet über mehrere Wochen hinweg. So haben die Kinder zum Beispiel drei Wochen lang jeden Tag zwei Stunden Geschichte, dann wieder drei Wochen lang zwei Stunden Mathematik usw. Sie können sich auf diese Weise intensiv mit einem Stoffgebiet verbinden. Grundfertigkeiten wie etwa Rechnen oder Schreiben festigen die Schülerinnen und Schüler im täglichen Üben (z.B. mit Wochenplänen).

Warum haben die Kinder in den ersten acht Jahren ein und denselben Klassenlehrer?

In einer Gemeinschaft, die von Beständigkeit und Rhythmus geprägt ist, können Kinder sich gesund entfalten. Um ihnen darin eine verlässliche Stütze zu sein, begleitet ein Waldorf-Klassenlehrer seine Klasse nach Möglichkeit acht Jahre lang durch den Hauptunterricht, der die ersten beiden Stunden eines Schulvormittags in Form von Epochenunterricht umfasst. Dabei lernt er seine Schüler sehr gut kennen und kann individuell auf ihre Stärken und Schwächen eingehen.

In der Praxis gelingt es nicht immer, dass ein Klassenlehrer seine Klasse die vollen acht Jahre betreuen kann. Aus persönlichen oder beruflichen Gründen ist ein Abbruch manchmal nicht zu vermeiden. Acht Jahre den gleichen Klassenlehrer zu haben, bleibt aber das angestrebte Ziel.

Kann ein Lehrer überhaupt in allen Fächern qualifiziert unterrichten?

Eine gute Allgemeinbildung, pädagogisches Handwerkszeug und hohes Engagement setzen den Waldorflehrer in den Stand, einen auch inhaltlich qualitätsvollen Unterricht zu geben. Außerdem ist der Aufbau einer guten, vertrauensvollen Lern- und Arbeitsatmosphäre für den Unterrichtserfolg wichtiger als das letzte Quäntchen Detailwissen. Eine solche Atmosphäre lässt sich jedoch nur schaffen, wenn die Beziehung zwischen Lehrer und Schülern eine langfristige und verlässliche ist.

Andere Lehrinhalte?

Lernt man an einer Waldorfschule überhaupt genug?

Die Waldorfschule bietet ein außerordentlich vielfältiges Unterrichtsangebot. Es werden praktische Fertigkeiten vom Stricken bis zum Tischlern vermittelt, künstlerische Fächer wie Malen, Musik, Gartenbau und Plastizieren haben genauso ihren festen Platz im Stundenplan wie alle anderen üblichen Lernfächer. Durch die Waldorfschulzeit von 12 Schuljahren bekommen alle Schüler und Schülerinnen ein breiteres Spektrum an Kenntnissen und Fertigkeiten vermittelt, als dies an den öffentlichen Schulen möglich ist. Man lernt also nicht nur genug bei uns, sondern in Wirklichkeit viel mehr.

Werden die Kinder an der Waldorfschule weltanschaulich unterrichtet?

Die Waldorfschule ist konfessionell nicht gebunden. Sie versteht sich als eine im Grundsatz christliche Schule. Deshalb ist für alle Kinder an der Waldorfschule christlicher Religionsunterricht verbindlich. Rudolf Steiners geisteswissenschaftliche Erkenntnisse selbst sind zu keinem Zeitpunkt Gegenstand des Unterrichts. Der Grund dafür ist einfach: die Anthroposophie ist eine Geisteswissenschaft, die zu ihrer Erkenntnis den erwachsenen Menschen voraussetzt.

Es ist nicht die Intention der Waldorfschule, ihre Schüler in irgendeine bestimmte weltanschauliche Richtung zu drängen. Es wird im Gegenteil allergrößter Wert darauf gelegt, zum eigenständigen, unvoreingenommenen und kritischen Denken und Urteilen anzuregen.

Spielen die Naturwissenschaften an der Waldorfschule eine ausreichend wichtige Rolle? Und wie stehen die Waldorfschulen zum Umgang mit Computern?

Die naturwissenschaftlichen Fächer, die für die staatlichen Abschlüsse relevant sind, werden unterrichtet. In der zehnten Klasse führen die Schüler zusätzlich ein einwöchiges Vermessungspraktikum durch. Im Computerraum steht ein Netzwerk mit 19 Arbeitsplätzen zur Verfügung, auf denen Skolelinux, eine für den Schuleinsatz optimierte Linux-Distribution, zum Einsatz.

Dass Waldorfschüler nichts mit Computern und neuen Medien zu tun haben “dürfen”, ist ein weit verbreitetes Vorurteil. Richtig ist, dass die Waldorfschule vehement dafür eintritt, Kinder nicht zu früh mit Informationstechnik und elektronischen Medien zu konfrontieren, weil die Persönlichkeitsentwicklung gerade in den entscheidenden Jahren bis zur beginnenden Pubertät hauptsächlich über die Auseinandersetzung mit einem menschlichen Gegenüber stattfinden sollte.

In der Oberstufe gehört die intensive Beschäftigung mit den Grundlagen der modernen Informations- und Medientechnik zu den Unterrichtsinhalten. Dabei sollen die Schüler nicht nur die Handhabung des Computers und konkrete Anwendungsprogramme erlernen, sondern auch die technischen Grundlagen des Computers verstehen. Außerdem setzen sie sich mit den gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Technologie und ethischen Fragen der Forschung auseinander.

Was ist „Eurythmie“?

Das Fach Eurythmie wird in der Waldorfschule von der ersten bis zur zwölften Klasse unterrichtet. Ziel hierbei ist es, bei den Schülern seelische Beweglichkeit, Empfindungskraft und Ausdrucksstärke zu fördern.

Die Eurythmie gehört zu den künstlerischen Fächern. Wie man beim Malen den Pinsel und die Farbe als Werkzeug braucht und in der Musik das Instrument, so wird in der Eurythmie der eigene Körper zum künstlerischen Bewegungs-Werkzeug. Man lernt dabei z. B. zu jedem musikalischen Ton oder zu jedem Laut der menschlichen Sprache eine bestimmte Bewegungsgebärde. Mit diesen Gebärden und einer Choeographie im Raum, durch welches der zugrunde liegende Sinn bzw. Zusammenhang deutlich wird, kann man ganze Gedichte oder Musikstücke künstlerisch zur Darstellung bringen.

Eurythmie wird in der Waldorfschule als sehr wichtig erachtet, da sie den Schülern die Möglichkeit bietet, über künstlerisches Üben den eigenen Körper – als Lebensgrundage schlechhin – über die Jahre hin immer wieder neu kennen zu lernen, zu kräftigen und für die Wahrnehmung zu sensibilisieren. Ferner wird sicheres Orientieren im Raum, Einfühlungsvermögen in das Bewegen der Mitschüler, sowie gegenseitige Rücksichtnahme  im gemeinsamen Tätigsein geübt. Und schließlich tritt bei den älteren Schülern der Eigengestalter hervor, der Inhalte in seiner Gebärde und in seinem Schritt ausdrückt.

Kommt nicht die Vorbereitung auf die (staatlichen) Schulabschlüsse zu kurz, wenn es so viele Praktika und künstlerisch-handwerkliches Arbeiten gibt?

Für Erfolg oder Misserfolg sind ganz individuelle Fähigkeiten ausschlaggebend: Selbstbewusstsein, konzentriertes Arbeiten, systematische Vorbereitung, Erkennen des Wesentlichen.

Diese Fähigkeiten werden durch künstlerische und handwerkliche Arbeit, durch Theaterspiel und Projekte, durch öffentliche Auftritte und Praktika früh an der Waldorfschule intensiv geschult.

Dies bedeutet – zugegeben – in den oberen Klassen einen zusätzlichen zeitlichen Aufwand für die Schüler.

Organisatorisches

Stimmt es, dass Waldorfschulen immer sehr große Klassen haben?

Das ist von Schule zu Schule verschieden. An unserer Schule liegt die Richtgröße bei 36 Schülern. (Da im Laufe der Schulzeit durch Wegziehen von Schülern freie Plätze entstehen, stehen diese dann wieder für Quereinsteiger offen.) Es handelt sich bei den Klassen um eine “Doppelklasse”, die in dieser Größe vor allem im Hauptunterricht zusammen arbeitet. Für die meisten Fachunterrichte wird die Klasse in zwei Gruppen geteilt.

Es sind nicht (nur) ökonomische Notwendigkeiten, die für die vergleichsweise großen Klassen verantwortlich sind. Ein zu kleiner Klassenverband wäre nicht im Sinne der Waldorfpädagogik. Nur eine gewisse Vielzahl unterschiedlicher Persönlichkeiten, Temperamente und Eigenschaften in einer Klasse führt dazu, dass sich über die 12-jährige Schulzeit eine soziale Gemeinschaft bildet, in der die Heranwachsenden in vielfältiger Weise voneinander lernen können.

Eine Waldorfschule muss doch zum Teil von den Eltern finanziert werden – wie ist das mit dem Schulgeld?

Unsere Schule wird aus Mitteln des Landes NRW finanziell unterstützt. Allerdings werden für die Waldorfschulen deutlich geringere Beträge aufgebracht als für staatliche Schulen. Diese Finanzierungslücke müssen wir mit dem finanziellen Engagement der Eltern schließen. Auf der Basis unserer Beitragsordnung wird der Beitragssatz für jedes Elternhaus individuell festgelegt. Die Festlegung findet in einem gemeinsamen Finanzgespräch statt.

Diese Gespräche werden nicht mit den Aufnahmelehrern geführt, sondern vom Schulträger beauftragte Personen, mit der Kollegin aus der Buchhaltung oder mit einem ehemaligen Elternteil. Es ist ein Prinzip der Waldorfschule, kein Kind aus finanziellen Gründen abzulehnen.

Wie erhalten Eltern Einblick in das Schulgeschehen?

An den Schulen finden regelmäßig öffentliche Veranstaltungen statt, darunter auch öffentliche “Schulfeiern”. In kleinen Klassenspielen, Rezitationen und anderen meist künstlerischen Darbietungen zeigen dort Schüler aller Klassenstufen, was sie sich im Unterricht erarbeitet haben.
In der 8. und 12. Klasse werden große Klassenspiele erarbeitet, die dann öffentlich dargeboten werden. Außerdem gibt es regelmäßig Konzerte des Mittel- und Oberstufenchors, diverse Workshops oder die Pädagogischen Wochenenden, die der Elternrat durchführt.

Regelmäßig finden für interessierte Eltern Veranstaltungen zur Einführung in die Waldorfpädagogik statt. Jedes Jahr findet ein offizieller Elternsprechtag statt, an dem die Lehrer für persönliche Elterngespräche zur Verfügung stehen. Man kann sich aber auch jeder Zeit an den Klassenlehrer oder an die Fachlehrer seines Kindes wenden, um Fragen zu stellen und Probleme zu klären.

Außerdem werden Elternabende veranstaltet, bei denen es nicht nur um organisatorische Fragen geht, sondern auch um pädagogische Fragestellungen, die die jeweilige Klassenstufe betreffen.

Was sind öffentliche Schulfeiern?

Im alten württembergischen Schulgesetz gab es eine Regelung, nach der an jedem ersten Montag im Monat schulfrei war. Rudolf Steiner sah hierin keine pädagogische Berechtigung und regte an, diesen Tag besonders zu gestalten und hervorzuheben. Er schlug deshalb vor, dass alle Klassen zu einer Feierstunde zusammenkommen sollten, um sich gegenseitig zu zeigen, was im Unterricht erarbeitet wurde. Eine Feierstunde, die es nun jeden Monat gab. Daraus entstand der Begriff “Monatsfeier”.

Die Schulfeiern finden heute nicht mehr monatlich, sondern in größeren Zeitabständen statt. Zurzeit findet zweimal jährlich eine öffentliche Monatsfeier statt, zu den Eltern, Verwandte und Freunde der Schule eingeladen sind. Die Monatsfeiern geben den Klassen Gelegenheit, etwas von dem, was sie an Gedichten und kleinen Spielen im Hauptunterricht und im Fremdsprachenunterricht geübt haben, den anderen Klassen im Saal vorzuführen. Aber auch Eurythmievorführungen, Beiträge des Mittel- und Oberstufenchors und des Orchesters, sowie gelegentlich Darbietungen aus Sport und Handwerk stehen auf dem Programm.

Kann man an einer Waldorfschule mitarbeiten?

Ausdruck des aktiven Lebens an unserer großen Schule sind die vielfältigen Möglichkeiten zur Mitarbeit der Eltern. Zum einen gibt es oft im Verlaufe eines Schuljahres bestimmte Aufträge an die Eltern, um bevorstehende Schulfeste, wie z.B. den Adventbasar, mitzugestalten. Da gibt es den Auftrag, den Klassenraum auszugestalten. Mal muss Kuchen gebacken werden, dann müssen vielleicht Kostüme genäht werden. Dies alles wird während der Elternabende besprochen und jede und jeder kann sich hier entsprechend eigener Interessen und Fähigkeiten einbringen.

Außerdem gibt es zahlreiche Arbeitskreise, die sich regelmäßig zu bestimmten Themen treffen.