Hier Anju, sieben Stunden zurück aus Chicago, Illinois. Es sind gerade einundzwanzig Grad Celsius minus, eine Warnung vor extremer Kälte liegt vor. Also sollte sich jemand dazu entschließen, heute nach Chicago zu reisen, dann nur komplett bedeckt mit einer oder am besten drei Jacken, langen Socken, mehreren Schals und einem starken Immunsystem. Heute ist deswegen natürlich keine Schule und ich dachte, ich könnte euch mal über mein Leben in Chicago berichten.

Ich fange einfach mal mit der Highschool, der Hauptgrund meines Auslandsjahres, an. Sie heißt Carl Schurz Highschool und existiert seit 1910. Sie hat fast zweitausend Schüler, die meisten davon international, also aus Ecuador, Puerto Rico, Honduras etc. Diese Größe der Schule und die vielen Schüler haben mich am Anfang ein wenig überfordert und es hat seine Zeit gebraucht, bis ich meine Klassenräume gefunden habe, da die Schule ganze fünf Etagen hat.

Mein erster Tag ist jetzt schon eine Weile her. Ich bin direkt nach zwei Tagen hier zur Schule gegangen. Natürlich war ich total müde und bin ein paarmal bei Mathe und US History, die sowieso meine letzten Fächer sind, eingepennt. Meine sonstigen Fächer sind Kunst, Spanisch, Chemie, Driver Education (im letzten Semester Sport), Englisch. Danach habe ich eine Stunde Lunch und als Letztes dann noch US History und Geometrie. All diese Fächer habe ich jeden Tag, immer in derselben reihen Folge und ohne jegliche Änderung. Wenn man zu spät kommt, ist die Klasse verschlossen und du brauchst einen „Tardy Pass.“ Dieses Problem hatte ich zum Glück noch nie. Aber es gibt genug andere, denen das schon passiert ist. Was ich hier an der Highschool sehr cool finde, ist, dass man seine Noten auf einer Website namens „Aspen“ immer wieder abrufen kann, um zu sehen, welche Aufgaben man noch machen oder wo man sich noch verbessern muss. Ich schreibe mindestens einmal in der Woche einen Test, den man übrigens auch wieder verbessern kann, wenn er nicht so gut ausgefallen ist. Die Lehrer und Schüler sind eigentlich alle sehr nett, auch wenn die Kultur natürlich einfach eine ganz andere ist. Am Anfang und auch jetzt noch lerne ich immer wieder neue Sachen dazu und das ist natürlich manchmal sehr herausfordernd. Was ich aber gelernt habe, was jede*r Austauschschüler*in lernen muss, besteht darin, wie man aus seiner / ihrer Komfortzone herauskommen kann. Dein ein Auslandsjahr funktioniert nicht, wenn du dich nicht auf neue Sachen einlässt, immer nur in deinem Zimmer sitzt und dich über alles beschwerst.

Als Nächstes würde ich gerne ein wenig von meiner Gastfamilie erzählen. Sie besteht aus meiner Gastmutter Katherine und ihren beiden Katzen Harry und Pie. Pie ist ein wenig schüchterner als Harry. Aber sie lässt sich manchmal, wenn sie ihre fünf Minuten hat, eine Sekunde von mir streicheln. Unser Zuhause ist nur fünfzehn Minuten von meiner Highschool entfernt, was echt großartig ist.

Ich habe schon so viel tolle Dinge erlebt, wie zum Beispiel mein aller erstes Football-Spiel, Homecoming, ein Bootstour auf dem Lake Michigan, meine Reise nach Arizona und Tennessee, auf die ich auch gleich nochmal zurückkommen werde, Weihnachten, Thanksgiving und so viele großartige andere Ereignisse.

In Tennessee waren meine Gastmutter und ich Anfang September, wo ich übrigens auch eine andere Austauschülerin kennenlernte. Wir waren in Chattanooga, in einem Waffengeschäft. Ich habe mir eine andere Highschool angeguckt und wir haben viele Abende am Lagerfeuer verbracht.

Nach Arizona bin ich direkt nach Weihnachten geflogen, dieser Wechsel vom kalten Chicago ins warme Arizona tat mir so gut. Ich konnte ganze vier Tage mit Shorts die gute Luft riechen, ganz viel wandern und auch Gilbert, ein Stadtteil in Arizona, erkunden. Außerdem habe mich den wahrscheinlich amerikanischsten Cowboyhut gekauft, den man in den USA erwerben kann und so viel Pancakes und Schinken gegessen, dass mir schlecht wurde.

Beide Urlaube waren echt super und ich kann jedem, der ein Auslandsjahr machen will, nur empfehlen, auch einmal einen anderen Staat zu besuchen.

An jede*n, die/der mit dem Gedanken spielt, ein Auslandsjahr zu machen, habe ich eine ganz wichtige Empfehlung mitzugeben. Habt keine Erwartungen an euer Auslandjahr. Am besten schreibt ihr alle eure Erwartungen einmal auf einen Zettel und den werft ihr dann in den Mülleimer. Das war eine Empfehlung von meiner Organisation, mit der ich hier bin. Es wird immer anders kommen, als ihr euch es vorstellt, und das ist auch gut so. So lernt man, wie das Leben ist. Und auch wenn sich das erstmals negativ anhört, ist es einfach die Wahrheit. Natürlich kann ich nicht für jede*n reden, aber ich habe von vielen anderen gehört, dass es ihnen ähnlich gegangen ist. Man geht durch Höhen und Tiefen, zudem hat man großartige und weniger tolle Erlebnisse. Das Wichtigste ist immer in allem, was man erlebt, etwas Positives zu sehen. Ihr lernt.

Meine Nachmittage verbringe ich gerne in meinem Lieblings-Coffeeshop „Foxtrot“ beim Wicker Park, im Craft, Art oder Schachclub und mit Freunden, manchmal aber auch einfach zu Hause mit meinen Hausaufgaben.

Ich bin wirklich sehr dankbar, dass ich die Chance habe ein Auslandsjahr zu machen, so viele neue Erfahrungen zu sammeln und mein Englisch aufzubessern. Und dann auch noch in CHICAGO!

Ich hoffe dieser Artikel hat euch gefallen.

Wir sehen uns in fünf Monaten wieder,

Goodbye –

Anju 😊