
Mit großer Freude präsentierte die zweite Klasse Ende Mai ihr Klassenspiel zur Christophorus-Legende. Mit viel Engagement und Spielfreude brachten die SchauspielerInnen das Stück für eingeladene SchülerInnen, Eltern, Geschwister und Freunde auf die Bühne.
Dem Klassenspiel ging eine kleine Theaterepoche voraus, in der sich die Kinder über drei Wochen intensiv mit dem Stück beschäftigten. Durch Sprachübungen, Bewegungsspiele, gemeinsames Singen und das Einüben der einzelnen Szenen konnten sie Schritt für Schritt in ihre Rollen hineinwachsen. Dabei wurden nicht nur Text und Ablauf geübt, sondern auch Aufmerksamkeit, gegenseitiges Zuhören und das Zusammenspiel in der Gruppe gestärkt. Die gemeinsame Arbeit an der Aufführung war für die Kinder ein wertvoller Prozess, der weit über das eigentliche Theaterstück hinauswirkte.
Die Legende berichtet von dem starken Riesen Offerus, der den mächtigsten Herrscher der Welt suchen möchte, um ihm zu dienen. Auf seiner Suche erkennt er, dass wahre Größe nicht in Macht und Stärke liegt, sondern im Dienst am Mitmenschen. Als Fährmann hilft er Reisenden, einen gefährlichen Fluss zu überqueren. Eines Tages trägt er ein kleines Kind auf seinen Schultern durch das Wasser. Mit jedem Schritt wird die Last schwerer, bis der Riese glaubt, die ganze Welt zu tragen. Am anderen Ufer offenbart sich das Kind als Christus. Von diesem Erlebnis tief berührt, erhält Offerus den Namen Christophorus – „Christusträger“.
Die Arbeit mit Legenden gehört zu den charakteristischen Erzählstoffen der zweiten Klasse in der Waldorfpädagogik. Während die Kinder im ersten Schuljahr noch stark in die Märchenwelt eintauchen, begegnen sie nun Geschichten, die menschliche Eigenschaften und Entwicklungswege in den Mittelpunkt stellen. Die Christophorus-Legende spricht besonders die Themen Hilfsbereitschaft, Verantwortungsgefühl und die Entdeckung wahrer Stärke an. Christophorus lernt, dass Kraft ihren Sinn erst im Dienst für andere erhält.
Yvonne Wegerl (Klassenlehrerin Klasse 2)





