Liebe Schulgemeinschaft,

es ist mir eine Freude, erst als Vater und nun seit diesem Schuljahr als Mitarbeiter in der Ogata „Sonnenhof“, zu unserer Schulgemeinschaft zu gehören. Wenn jemand mich fragt: „Was machen Sie?“, erzähle ich mit Stolz, dass ich hier arbeite.

Unser Schulgelände zu betreten, die Menschen, die Architektur mit Gärten und Höfen, die Musik, die manchmal im Hintergrund aus dem Musik- oder Eurythmieunterricht zu hören ist, all das bereichert meinen Tag und ich bin sehr dankbar dafür.

Aber bevor ich hierhergekommen bin, gab es natürlich einen Weg. Ich bin im Bundesstaat „Sao Paulo“ in Brasilien geboren. Der Ort, in dem ich geboren bin, heißt Piracicaba und bedeutet in der Sprache des Indianer-Volks der Tupi: „der Ort wo die Fische stoppen“. Dort verläuft ein wunderschöner Fluss mit dem gleichen Namen und genau wo der Ort mit heute über 400.000 Einwohnern anfängt, bildetet sich ein Wasserfall. Viele Fische können ihre Wege gegen diese mächtige Wasserströmung nicht weiterführen und müssen da stoppen, um sich zu paaren. Daher der passende Name.

Gott sei Dank konnte ich mich, anders als die Fische, dazu entscheiden, mich weiter zubewegen und habe zuerst in Südbrasilien mein Studium der Sozialwissenschaft angefangen und es zwei Jahre später an der Universität von Sao Paulo in Sao Paulo (Hauptstadt  des Bundeslandes „Sao Paulo“) weitergeführt. Während meines Studiums hatte ich schon Interesse an der deutschen Sprache, insbesondere wegen der vielen deutschsprachigen Autoren, mit denen wir uns beschäftigten. Ich habe mir damals vielleicht schon einmal gewünscht, irgendwann Deutschland zu besuchen. Aber hier zu leben war sehr weit von meiner Vorstellung entfernt, bis ich mich noch während meines Studiums in meine Frau, die aus Deutschland kommt, verliebt habe. Einige Jahre später (2013) sind wir mit unserem damals 6-jährigen Sohn hierhergekommen, auch wegen unserer Schule.

In Deutschland gefallen mir die unterschiedlichen Jahreszeiten, die Natur- und Kulturlandschaft, das Essen und Trinken und die alte Baukunst. Hier habe ich am Waldorf-Institut in Witten-Annen noch ein Studium zum Lehrer der Sozialwissenschaften abgeschlossen. Schon in Brasilien hatte ich mich intensiver mit Pädagogik beschäftigt. Dabei waren meine Frau und ich auch auf die Waldorfpädagogik gestoßen und haben verschiedene Vorträge und Schriften von Rudolf Steiner gelesen.

Privat beschäftige ich mich außerdem gerne mit sozialen Phänomenen seien es politische, wirtschaftliche oder kulturelle. Auch habe ich immer wieder gerne Fußball gespielt, bin Kajak und Skateboard gefahren und habe die Kampfkünste, Capoeira, in Brasilien Jiu-Jitsu und Judo betrieben.

Ich schreibe in der Vergangenheitsform von meinen Sporthobbys, da vor ungefähr zwei Jahren unser zweites Kind geboren wurde und wir gleichzeitig angefangen haben unser Haus umzubauen. Da bleibt nicht viel Zeit für Anderes. Im Gegenzug dazu hatten meine Familie und ich mit dem Hausumbau die Möglichkeit handwerkliche Arbeit intensiver auszuprobieren und zu lernen. Das hatte in meiner Entwicklung noch gefehlt.

Nun kann ich davon vielleicht etwas an die Kinder weitergeben. Und hoffentlich noch vieles andere, während ich sie ein Stück ihres Lebensweges geleite.

James Buzatto de Lima

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